Warum wir alle aufhören sollten, Orgasmen vorzutäuschen

Hast du schonmal einen Orgasmus vorgetäuscht? Ach nein, sowas machen wir doch nicht. Nein, wirklich nicht. Okay, vielleicht dieses eine Mal. Ja… Vielleicht auch öfter?  

Keine Sorge: Du bist damit nicht allein. Tatsächlich haben die meisten Frauen* schonmal einen Orgasmus vorgetäuscht. Trotzdem sind wir uns vermutlich alle einig, dass niemand etwas davon hat. Dein*e Partner*in nicht und du ganz sicher auch nicht. Abgesehen davon: Warum ist es eigentlich so „schlimm“ nicht zum Orgasmus zu kommen? Wer hat sich ausgedacht, dass das ein Riesendrama ist?  

Als ob guter Sex, Intimität und Zufriedenheit nur in Orgasmen gemessen würden! Mach dir das also zuerst klar: Nichts ist schlimm daran, nicht (jedes Mal) zum Orgasmus zu kommen. Nichts ist verkehrt mit dir oder deinem/deiner Partner*in. Wirklich, gar nichts. Trotzdem haben wir aber natürlich ein Recht auf die besonderen Glücksgefühle und das darf auch gern mal eingefordert werden! 

Gut, nachdem wir das aus dem Weg haben, lass uns klären, warum wir überhaupt so oft einen Orgasmus vortäuschen und wie wir endlich mehr wahre Orgasmen haben! 

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Warum täuschen wir eigentlich Orgasmen vor?

Eine gute Frage mit 2 einfachen Antworten: Um es zu Ende zu bringen, oder unserem/unserer Partner*in zuliebe. Warum Letzteres ein riesiger Trugschluss ist, erfährst du weiter unten.  

1. Um es zu Ende zu bringen (Müdigkeit, Langeweile) 

Dieses Szenario haben wahrscheinlich viele von uns schonmal erlebt. Manchmal hat man irgendwann einfach keine Lust mehr, oder ist müde und möchte das jetzt nicht an die große Glocke hängen. Vor allem mit Partner*innen, die man noch nicht so gut kennt, oder bei One-Night-Stands kommt dieser Trick oft zum Einsatz.  

2. Um unsere*n Partner*in zufrieden zu stellen 

Der mit Abstand wichtigste Grund, warum wir unseren Orgasmus vortäuschen ist allerdings, dass wir den/die Partner*in nicht verletzen wollen. Wir wollen die andere Person nicht verunsichern, oder ihnen gar das Gefühl geben, dass sie es nicht draufhaben. Wir wollen ihr sexuelles Können nicht beleidigen. Also täuschen wir fröhlich Orgasmen vor. Das Selbstbewusstsein der anderen Person mag zwar verschont geblieben sein, aber dafür leiden eine Reihe von anderen Faktoren. 

Warum wir aufhören sollten, Orgasmen vorzutäuschen

Feedback ist ein Geschenk. Es kann manchmal wehtun, aber letztendlich hilft es uns, uns zu verbessern. Ohne ehrliches Feedback wissen wir nie, wie wir etwas besser machen können. Und glauben womöglich sogar, dass es nichts zu verbessern gäbe. Ergo: Dieses Feedback ist essenziell für ein erfülltes Sexleben!  

Ganz richtig, wie so vieles im Leben fängt die Lösung zu mehr echten Orgasmen bei offener Kommunikation an. Ängste und Unsicherheiten existieren nämlich oft nur in unserem Kopf. Und Themen werden gar nicht erst zu Problemen, wenn wir darüber reden. Der erste und härteste Schritt gegen das Orgasmus Vortäuschen lautet also: Sei ehrlich zu deinem/deiner Partner*in.  

Fällt dir schwer? Verstehen wir. Wird aber leichter, wenn man sich eines klar macht: Du verletzt die Gefühle der anderen Person mehr, wenn du nicht ehrlich zu ihr bist. Überleg mal, es würde dich wahrscheinlich mehr nerven, wenn dein*e Partner*in dir etwas vorspielt, als einfach dazu zu stehen, heute nicht zum Orgasmus zu kommen. Das würde im ersten Moment vielleicht leichte Selbstzweifel in dir auslösen, letztendlich wärst du aber froh, dass die andere Person ehrlich mit dir ist. Denn dann könnt ihr anfangen, mit allem anderen auch ehrlich zu sein. Sätze wie „Mir gefällt unser Sex auch ohne Orgasmus total gut“ oder „Ich komme heute einfach nicht dahin, macht aber nichts, ich habe trotzdem Spaß“ werden dadurch wie die Wahrheiten wahrgenommen, die sie meistens auch sind. Wenn ihr euch erstmal traut, ehrlich miteinander zu reden, nehmt ihr euch gegenseitig den Druck, den Orgasmen oft erzeugen. Irgendwann kann man das Thema dann viel leichter nehmen und Orgasmen wieder als das sehen, was sie sein sollten: Spaß! Feuerwerk! Unbeschwertheit! 

Darüber reden und mit dem Orgasmus Vortäuschen aufzuhören hat also viele tolle Effekte: 

  • Ihr könnt ehrlicher miteinander reden 
  • Ihr könnt mehr Intimität aufbauen 
  • Ihr könnt gemeinsam eure Sexualität neu entdecken (und herausfinden, was dich wirklich zum Orgasmus bringt – ohne Druck!

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Der Weg zu mehr Orgasmen – und zwar echten!

Druckfaktor: Kopf

Sobald die Katze erstmal aus dem Sack ist, geht es darum herauszufinden, was dich am Kommen hindert. Oft sind das Gedanken von Druck im Kopf, die einen dann direkt blockieren. Du weißt schon nach 2 Minuten, dass das mit dem Orgasmus diesmal nichts wird. Es ist wichtig, dass dein*e Partner*in dich wissen lässt, dass es in Ordnung für sie ist, wenn du nicht zum Orgasmus kommst. Damit ist ein Stressfaktor (und der vermeintlich größte) schonmal weg. Orgasmen sind aber natürlich trotzdem etwas Feines, und es ist vollkommen legitim, oft welche erleben zu wollen! 

Druckfaktor: Technik

Nun geht es also ans Experimentieren. Es geht daran, gemeinsam herauszufinden, wie ihr dich zum Orgasmus bringen könnt. Vielleicht hast du eine besondere Technik, die dir bei der Selbstbefriedigung immer gute Dienste leistet. Oft geht es auch darum, mit dem Kopf bei der Sache zu sein und sich mental auf die Situation einzulassen. In Kombination führen eine gute Technik, die bei dir die richtigen Knöpfe drückt, und die richtigen Gedanken oft zum Erfolg! Sprich also mit deinem/deiner Partner*in darüber, welche Position dich besonders stimuliert. Ob dir zusätzliche Stimulation an der Klitoris gefällt. Manchmal ist Multitasking (für den/die Partner*in) da ein bisschen fordernd, also gern auch selbst Hand anlegen und gemeinsam mit dem/der Partner*in auf den Orgasmus hinfiebern 

Übrigens:  Nur die wenigsten von uns können durch rein vaginale Stimulation zum Orgasmus kommen. Andere empfinden Penetration aus den unterschiedlichsten Gründen als unangenehm. Es ist also nochmal wichtig zu erwähnen, dass viele Wege nach Rom – und zum Orgasmus – führen können. Und es auch okay ist, wenn es in diesem Moment mal nur um dich geht. Probiert hierfür doch mal Sex ohne Penetration aus! 

Druckfaktor: Zeit

Zuletzt: Lasst dir Zeit dafürWir Frauen* brauchen auch schonmal 10 – 20 Minuten, bis es soweit ist. Den Druckfaktor Zeit also auch direkt aus der Gleichung nehmen und sich ganz auf die Empfindungen deines Körpers einlassen. Dein*e Partner*in wird dir schon sagen, falls er/sie eine Pause benötigt! 

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Fake it till you make it kann dich weit bringen im Leben, aber nicht beim Thema Orgasmus. Hör also auf, es zu faken, und komm lieber wirklich zum Orgasmus. Oder eben nicht. Der Punkt ist: Das ist vollkommen wurscht für ein erfülltes Sexleben. Wichtig ist, sich dem Partner nahe zu fühlen, offen über Ängste und Wünsche reden zu können und sich vor allem fallenlassen zu können. In diesem Sinne: Druck raus, Fantasie an!