Freie Periodenprodukte für alle! 

Ganz ehrlich? Perioden können ganz schön nerven. Sie sind oft mit Schmerzen & Niedergeschlagenheit verbunden und so ziemlich jedes Mal ruiniert man sich irgendein Kleidungsstück (Wer kennt es?). Was aber noch viel mehr nervt: Jeden Monat eine Riesensumme für Menstruationsprodukte auszugeben.  Bis vor kurzem wurden die in Deutschland nämlich noch mit 19% Mehrwertsteuer besteuert. Das ist der höchstmögliche Steuersatz, der eigentlich nur für Luxusgüter (zum Beispiel Kaviar) verhängt wird. Nach zahlreichen Protesten wurde dieses Jahr nun endlich beschlossen, zumindest die Mehrwertsteuer auf 7% zu senken. Diese Senkung ist ein Anfang, aber der Kampf gegen die Periodenarmut geht noch weiter.   

Fakt ist: Niemand entscheidet sich bewusst für seine Periode. Wer sich ungeniert in der Öffentlichkeit bewegen will, ist einfach auf Periodenprodukte angewiesen. Außer, du lässt lieber frei laufen – auch eine coole Methode! Für alle anderen sind hier jetzt 3 Argumente, die du in deiner nächsten Diskussion über Menstruationsprodukte anführen kannst. 

1. Periodenarmut ist ein ernst zu nehmendes Problem  

Es ist eine Sache, sich über die hohen Preise von Periodenprodukten aufzuregen. Eine andere Sache ist es, sich diese gar nicht erst leisten zu können. Gerade Frauen*, die von Obdachlosigkeit betroffen sind, haben häufig Schwierigkeiten an Periodenprodukte zu kommen. Das macht diese Zeit des Monats besonders schwierig und behindert die Frauen* stark in ihrem täglichen Leben. Auch mit einem Dach über dem Kopf können sich viele Frauen* die Produkte nicht leisten und müssen so während der Zeit ihrer Periode zuhause bleiben. Das führt vor allem beim Thema Bildung zu Nachteilen (unten mehr dazu).  Periodenarmut = Einschränkung im täglichen Leben.

Wenn das nächste Mal jemand sagt: „Stell dich doch nicht so an“, könntest du mit diesem Gedankenspiel antworten: „Stell dir vor du musst ganz dringend auf die Toilette, aber hast kein Geld, um Klopapier zu kaufen. Jetzt musst du auf der Toilette bleiben und hoffen, dass dir jemand welches vorbeibringt, oder wohl oder übel etwas anderes benutzenDas kostet dich nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Ziemlich blöd, was du da alles verpasst nicht wahr? Genauso ist es, wenn du dir Periodenprodukte nicht leisten kannst.“  

2. Sexismus, Ungleichheit und Pink Tax 

Dass wir Frauen* uns nicht ausgesucht haben, jeden Monat zu bluten, vergisst vor allem die Industrie gern mal. Zumindest wenn es ihr gerade passt, denn Phänomene wie die sogenannte „Pink Tax“ sind eher unwahrscheinlich Zufälle. Diese „pinke Steuer“ heißt so, da gewisse Produkte speziell für Frauen* (zum Beispiel Rasierer) höher besteuert werden, als dieselben Produkte für Männer. Während Männerrasierer also als ein notwendiges Gut im täglichen Bedarf angesehen werden, werden dieselben Produkte für Frauen* auf die Liste der Luxusgüter gesetzt. Klingt haltlos?

Ist es auch. Im Falle der Menstruationsprodukte wird das Problem noch viel deutlicher: Seine Periode zu haben, kann man sich nicht einmal bewusst aussuchen. Ebenso wenig kann man sich aussuchen, Periodenprodukte zu benutzen. Das ist einfach notwendig. Die Ironie von Menstruationsprodukten als Luxusgut – um sich in der Öffentlichkeit frei zu bewegen –  wird also ganz deutlich. Perioden passieren jeden Monat und sind darüber hinaus auch noch wichtig für den Erhalt der Menschheit. Denn sie signalisieren Gesundheitauf die wir ja alle angewiesen sind. Insofern ist es wirklich in jedermanns (kleines Wortspiel 😉) Interesse, Periodenprodukte für jeden frei zugänglich zu machen.  

3. Ein Blick auf den globalen Süden  

Wir Menschen im globalen Norden (damit sind vor allem die sogenannten „Erste Welt Länder“ gemeint) regen uns vielleicht, und zurecht, über die Pink Tax auf. Allerdings muss man trotzdem sagen, dass es hier immer noch zahlreiche Angebote gibt, um irgendwie an Periodenprodukte zu kommen. Die Situation im globalen Süden (umgangssprachlich „Dritte Welt Länder“) ist nochmal eine völlig andere. In vielen Ländern geht die Periodenarmut so weit, dass Mädchen*/Frauen* nicht zur Schule oder Arbeit gehen können, weil sie sich keine Periodenprodukte leisten können. Bis heute wird dieser Faktor unterschätzt und belächelt, er trägt aber maßgeblich zu größeren sozialen Ungleichheiten bei. Zugang zur Bildung ist nur ein Problem davon. 

Da im globalen Süden jedoch leider oft viele andere Grundprobleme vorherrschen (denkt an Zugang zu Trinkwasser, Arbeit, Nahrung, …), geraten spezifischere Probleme wie die Periodenarmut schnell in den Hintergrund. Zwar gibt es schon erste Initiativen, die z.B. Menstruationstassen an Gruppen in Not verteilen. Durch oben genannte Probleme sind die hygienischen Bedingungen aber oft nicht ausreichend, um eine sichere Anwendung der Produkte zu ermöglichen. Im Umkehrschluss führt das z.B. zu einer erhöhten Infektionsrate. Es ist daher wichtig, dieses Thema zur Sprache zu bringen und als ernstzunehmendes Problem darzustellen.   

Wenn das nächste Mal jemand sagt: „Es gibt doch wirklich wichtigere Probleme“, kannst du zum Beispiel antworten: „Ja, es gibt viele wichtige Probleme auf der Welt – vor allem aufgrund von Ungleichheiten. Die Periodenarmut ist ein Faktor der dazu beiträgt, ich erkläre dir gern warum.“ 

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Wir finden: Menstruationsprodukte sollten für jeden der blutet zugänglich sein, egal, wie viel jemand verdient oder wo jemand herkommt. In deiner nächsten Diskussion darüber kannst du jetzt 3 Argumente anbringen, warum Periodenprodukte für jeden mit Menstruation frei erhältlich sein sollten!  

 

Quellen:

*Period poverty: Five minutes with … Eleanor Wilson